Aktuelles aus unserer Weiterbildung: Nacktes Denken.


Einer der in Deutschland am häufigsten gesagten Sätze ist: „Ich bin nicht kreativ, ich habe keine Ideen.“
Wirklich?

Wer beim Brotschmieren schon mal ein Muster in die Butter gekleistert hat, wer schon mal im Wartezimmer gesessen hat und sich Krankheiten zu den anderen Wartenden ausgedacht hat, wer beim Essen fotografieren für Instagram einen anderen Winkel für den Bildausschnitt gewählt hat, ist kreativ.

Wer eine ______ im Text sinnvoll schließen kann, ist kreativ.

Genauso wie jemand, der schon mal einen Witz in eigenen Worten wiedergegeben hat. Oder schon mal gelogen hat. Oder schon mal etwas mit Käse überbacken hat.
Egal, ob Buchhalter, Sozialversicherungsfachangestellter oder Busfahrer. Jeder Mensch ist kreativ, es geht ja auch gar nicht anders.

Wir brauchen Kreativität.
Ohne Kreativität würden wir immer noch vor kalten Höhlen hocken und darauf warten, dass Vögel vom Himmel fallen.

Aber woher kommt die Kreativität?

Von Büchern, die wir lesen, von Konzerten oder Ausstellungen, die wir besuchen? Von Serien, die wir gucken?

Nein.
Von solchen Dingen lassen wir uns inspirieren – und das ist auch wichtig und gut.
Inspiration ist allerdings nur das Ergebnis der Kreativität anderer.

Die eigene Kreativität ist fest in der DNA verankert. Man muss sie nur gelegentlich freischaufeln, um ranzukommen.

Denn die eigentliche – und vielleicht etwas schmerzhafte Frage ist: wie viel Denken mit der rechten Gehirnhälfte, wie viel Impulsivität lässt man zu?

Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen nach Bäume umarmen und spirituellem Erweckungserlebnis, gepaart mit „Tschakka!“ an. So schlimm ist es aber gar nicht.

Ohne Mut geht gar nix.
Man muss gar nicht viel dafür tun, um kreativ zu sein.
Nur den Panzer aus Erwachsensein ablegen, die ironisch-distanzierte Hülle abschälen und danach einfach mal offen und neugierig an eine Aufgabe rangehen.
Nur mal kurz den Moment festhalten.
Ohne Smartphone. Ohne Google. Ohne Grenzen.

Sachen wagen. Irre sein, Kind sein. Nacktes Denken eben.
Steuererklärung: vergessen. Besitz: vergessen. Hirarchien: vergessen.
Vollgas geben. Und dabei einfach mal den Fuß von der Bremse nehmen.
Oder einfach mal wieder vor ein weißes, nacktes Blatt Papier setzen und gucken, was passiert.
Nur für Fünf Minuten. Ist doch egal, wenn es schiefgeht.

Mehr als ein „boah, das war jetzt aber echt mies“ oder ein zerknülltes Blatt Papier kann dabei nicht herauskommen.
Und es wurde auch noch nie einem der Kopf abgerissen, wenn mal eine Idee doof war.

Echt nicht. Ich weiß das.

Alexander Baron, Meisterkurs Dozent

#denkdichweiter